{"id":1863,"date":"2020-04-18T11:53:20","date_gmt":"2020-04-18T09:53:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.berliner-obdachlosenhilfe.de\/?p=1863"},"modified":"2021-10-30T18:09:53","modified_gmt":"2021-10-30T16:09:53","slug":"obdachlose-und-wohnungslose-menschen-schuetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berliner-obdachlosenhilfe.de\/en\/blog\/obdachlose-und-wohnungslose-menschen-schuetzen\/","title":{"rendered":"Obdachlose und wohnungslose Menschen sch\u00fctzen"},"content":{"rendered":"<p>Nothilfeplan jetzt \u2013 drohende Katastrophen verhindern!<\/p>\n\n<!--themify_builder_content-->\n<div id=\"themify_builder_content-1863\" data-postid=\"1863\" class=\"themify_builder_content themify_builder_content-1863 themify_builder tf_clear\">\n                    <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_row themify_builder_row tb_ifsh191 tb_first tf_w\">\n                        <div class=\"row_inner col_align_top tb_col_count_1 tf_box tf_rel\">\n                        <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column tb-column col-full tb_wsny191 first\">\n                    <!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_to8c930   \" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n        <p><strong>Gemeinsames Positionspapier von<\/strong><br \/>Aktive aus der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen<br \/>Armutsnetzwerk<br \/>B\u00fcndnis Solidarische Stadt<br \/>AK Wohnungsnot<br \/>Berliner Obdachlosenhilfe<br \/>Schlafplatzorga<br \/>Berliner Wohnungslosenparlament in Gr\u00fcndung<br \/>(wird noch erweitert und erg\u00e4nzt)<\/p><p>an den Berliner Senat, die Bezirke, die Wohlfahrtsverb\u00e4nde, die Tr\u00e4ger der Wohnungslosenhilfe, die demokratischen politischen Parteien und alle Menschen in Berlin<\/p><p>Berlin, 18.04.2020, 00:00 Uhr<\/p><p><strong>Das Problem<\/strong><\/p><p>In Berlin sind 37.000 wohnungslose Menschen in zwangsgemeinschaftlichen Massenunterk\u00fcnften untergebracht. Weitere tausende Menschen sind obdachlos auf der Stra\u00dfe: 1.976 wurden in der sogenannten Nacht der Solidarit\u00e4t am 29.01.2020 erfasst, die tats\u00e4chliche Zahl ist weitaus h\u00f6her, weil viele obdachlose Menschen sich an Orten, an denen nicht gez\u00e4hlt wurde, aufgehalten haben, wie Parks, Friedh\u00f6fe, Dachb\u00f6den usw. oder sich bewu\u00dft der Z\u00e4hlung entzogen haben.<\/p><p>Auf der Stra\u00dfe lebende Menschen sind im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie eine medizinisch hoch gef\u00e4hrdete Bev\u00f6lkerungsgruppe mit eingeschr\u00e4nktem Zugang zum Gesundheitssystem. Versch\u00e4rfend kommt hinzu:<\/p><p>Die Essensversorgung durch Tafeln und Suppenk\u00fcchen ist stark reduziert, Einnahmen durch Flaschensammeln, Betteln oder Zeitungsverkauf sind kaum noch zu erzielen, Hygieneregeln so gut wie gar nicht einzuhalten.<br \/>Weil Einrichtungen geschlossen sind, fehlen Duschgelegenheiten<br \/>der Zugang zu WLAN und Internet, das Aufladen von Smartphones ist kaum noch m\u00f6glich, die Kommunikation wird extrem eingeschr\u00e4nkt.<\/p><p>\u201eStay at home!\u201c ist f\u00fcr auf der Stra\u00dfe lebende Menschen nicht m\u00f6glich.<\/p><p>Eine \u00dcbertragung von Corona-Viren ist durch die besonderen Bedingungen in den Einrichtungen f\u00fcr untergebrachte wohnungslose Menschen kaum einzud\u00e4mmen, Sammelunterk\u00fcnfte sind in dieser Situation eine Katastrophe. Die K\u00e4ltehilfe und Massenunterk\u00fcnfte f\u00fcr Wohnungslose bieten keinen ausreichenden Pandemie-Schutz. Sie sind im Gegenteil sogar Brandbeschleuniger zur rapiden VirusverbreitunMehrbettzimmer, Gemeinschaftsk\u00fcchen, Speises\u00e4le und gemeinsame Sanit\u00e4ranlagen sind in dieser Situation unzumutbar.<\/p><p>Quarant\u00e4ema\u00dfnahmen in zwangsgemeinschaftlichen Massenunterk\u00fcnften , die damit einhergehende Gefahr der weiteren Ausbreitung des Virus unter den Bewohner*innen, und die daraus resultierende, berechtigte Angst sind ein soziales Pulverfa\u00df, in dem massive Traumatisierungen, Gewalttaten und \u00dcbergriffe drohen.<\/p><p>Auf der anderen Seite gibt es viele spontane, kreative unkonventionelle Ans\u00e4tze, obdachlose Menschen zu unterst\u00fctzen. Das sollte unterst\u00fctzt aber auch kritisch begleitet werden. Was n\u00fctzt der beste Gabenzaun, wenn es keine Unterbringung im Einzelzimmer gibt?<\/p><p>Seit unserer Pressemitteilung <a href=\"https:\/\/fluechtlingsrat-berlin.de\/presseerklaerung\/07-04-2020-menschenleben-schuetzen-massenunterkuenfte-aufloesen-wohnungen-statt-lager\/\">Menschenleben sch\u00fctzen! Massenunterk\u00fcnfte aufl\u00f6sen! Wohnungen statt Lager!<\/a> vom 07.04.2020 ist in Berlin wenig passiert. Wir haben den Eindruck, dass viele Menschen, die in Politik, Beh\u00f6rden und Verb\u00e4nden Verantwortung tragen, in diesen Krisenzeiten einfach abgetaucht sind und nicht in dem Ma\u00dfe, wie wir es erwarten, erreichbar sind und Initiative ergreifen.<\/p><p>Politik, Verwaltung, Tr\u00e4ger der Wohnungslosenhilfe und die Zivilgesellschaft sind aufgefordert, jetzt zu handeln!<\/p><p>Wir k\u00f6nnen nicht warten, bis die Zahl der Ansteckungen in den Massenunterk\u00fcnften und auf der Stra\u00dfe explodiert und wohnungslose Menschen aufgrund ihrer besonderen Lebenslage mit dem Tode bedroht sind und somit der bisherige Erfolg der Pandemie \u2013 Bek\u00e4mpfung in Frage gestellt wird.<\/p><p><strong>Was jetzt zu tun ist<\/strong><\/p><p>Wir m\u00f6chten konkret erl\u00e4utern, was in Berlin jetzt geschehen muss, um obdachlose und wohnungslose Menschen umgehend zu sch\u00fctzen.<\/p><p><strong>1. Das Infektionsschutzgesetz gilt auch f\u00fcr obdachlose und wohnungslose Menschen!<br \/><\/strong>Deshalb sind alle Menschen, die ohne Obdach auf der Stra\u00dfe oder in Sammelunterk\u00fcnften mit Gemeinschaftsb\u00e4dern und\/oder \u2013 k\u00fcchen leben, krisenbedingt in Wohnungen, Ferienwohnungen oder Businesspartments unterzubringen.<br \/>Falls diese nicht ausreichen, sind die Menschen in Hotels mit Appartementstruktur (individuelle Bad- und K\u00fcchenausstattung in Aparthotels) oder Hotels mit Zimmern und eigenem Bad unterzubringen. Wenn eine Hotelunterbringung umgesetzt wird, so muss eine niedrigen Bewohner*innendichte pro Hotel gew\u00e4hrleistet werden.<br \/>Vorrangig m\u00fcssen besonders vulnerable Personengruppen und Familien in Wohnungen untergebracht werden. Eine umfassende Versorgung ist sicherzustellen, dazu geh\u00f6rt im Bedarfsfall auch eine betreute Drogenabgabe.<br \/>Alle Varianten m\u00fcssen menschenw\u00fcrdige und angemessene Qualit\u00e4tsstandards mit Blick auf Ausstattung, Bausubstanz, Hygienestandards u.a. erf\u00fcllen und unter der Pr\u00e4misse \u201eKeine Profite mit der Not der Menschen\u201c angemietet werden.<\/p><p><strong>2. Einzel-Quarant\u00e4ne gew\u00e4hren<br \/><\/strong>Wenn Quarant\u00e4nema\u00dfnahmen n\u00f6tig werden, dann sind diese als individuelle Einzelquarant\u00e4nen f\u00fcr Erkrankte und ihre identifizierten Kontaktpersonen in abgeschlossenen Wohneinheiten und Appartements zu realisieren, ggf. auch durch Verlegung in eine geeignete Unterkunft.<br \/>Zwangs-Quarant\u00e4nen f\u00fcr komplette Unterk\u00fcnfte sind unbedingt zu vermeiden, weil sie die Ausbreitung des Virus noch bef\u00f6rdern k\u00f6nnen, statt sie zu begrenzen. Es ist nach \u00a7 30 IFSG auch rechtlich unzul\u00e4ssig, Kranke, Ansteckungsverd\u00e4chtigte und Gesunde gemeinsam unter Quarant\u00e4ne zu stellen, vgl. <a href=\"https:\/\/fluechtlingsrat-berlin.de\/vgbln_quarantaene_2013\">VG Berlin 17.06.2013 VG 14 L 282.13<\/a>. Siehe auch Fl\u00fcchtlingsrat Berlin, \u201e<a href=\"https:\/\/fluechtlingsrat-berlin.de\/fr_positionen_quarantaene\">Infektions\u00adschutz und Quaranta\u0308nema\u00dfnahmen fu\u0308r Gefl\u00fcchtete in Sammelunterku\u0308nften menschenrechtskonform umsetzen<\/a>\u201c<\/p><p><strong>3. K\u00e4ltehilfe \u00fcbergangsweise fortf\u00fchren<br \/><\/strong>K\u00e4ltehilfe ist nicht f\u00fcr Zeiten der Pandemie geeignet. Die K\u00e4ltehilfe ist als Notl\u00f6sung so lange weiter zu f\u00fchren und zu finanzieren, bis die Menschen in Wohnungen oder zumindest Hotels untergebracht werden k\u00f6nnen.<br \/>Dabei gilt: Die Einrichtungen m\u00fcssen tags\u00fcber offen stehen und den Corona-bedingten Verhaltensregeln angepasst werden. Besondere Teilgruppen (Frauen, Menschen mit Hund, Familien, Alkohol- und Drogenabh\u00e4ngige usw.) sind dabei zu ber\u00fccksichtigen.<br \/>Mitarbeiter*innen der K\u00e4ltehilfe sollen bei der Umsetzung der Vorschl\u00e4ge eingebunden und auch bei ver\u00e4nderten Angeboten weiter besch\u00e4ftigt werden.<\/p><p><strong>4. Schutz von obdachlosen Menschen UND MitarbeiterInnen sicherstellen<br \/><\/strong>Auch Haupt- und ehrenamtlich Arbeitende in den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe m\u00fcssen gesch\u00fctzt werden. Das betrifft die Ausr\u00fcstung mit Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung, die Aufkl\u00e4rung \u00fcber Gefahren sowie der Schutz vor \u00dcberlastung. Eine angemessene Bezahlung ist zu gew\u00e4hrleisten.<\/p><p><strong>5. Rahmenbedingungen schaffen<br \/><\/strong>Der Finanzsenator muss die Finanzierung dieser Ma\u00dfnahmen sicherstellen (Rettungsschirm f\u00fcr wohnungslose Menschen), der Justizsenator die rechtlichen Voraussetzungen daf\u00fcr schaffen und die Sozialsenatorin zusammen mit den Stadtr\u00e4t*innen der Bezirke und Tr\u00e4gern der Wohnungslosenhilfe die inhaltliche Koordinierung \u00fcbernehmen und die erforderliche personelle Ausstattung bereitstellen.<br \/>Wir sind uns der unterschiedlichen Zust\u00e4ndigkeiten f\u00fcr die verschiedenen Betroffenengruppen bewusst. Allerdings ist die Senatsverwaltung f\u00fcr Arbeit, Soziales und Integration f\u00fcr die Lenkung und F\u00fchrung zust\u00e4ndig \u2013 insbesondere in der Krise. Die Bezirks\u00e4mter mit ihren Verwaltungen sind in einer ausf\u00fchrenden Position. Die Verantwortung, ein Soforthilfeprogramm zu entwickeln und umzusetzen, darf nicht auf die Bezirke verlagert werden. Hier muss die von SenIAS seit zwei Jahren vorbereitete \u201egesamtst\u00e4dtische Steuerung\u201c unverz\u00fcglich zum Zuge kommen.<\/p><p><strong>6. Krisenstab einrichten zur Umsetzung von Hilfema\u00dfnahmen<br \/><\/strong>Senat, Bezirke, Tr\u00e4ger der Wohnungslosenhilfe sollen sofort zusammen mit Wissenschaftler*innen, ehrenamtlichen Hilfeinitiativen und Gruppen der Selbstvertretung einen handlungsf\u00e4higen st\u00e4ndigen Krisenstab bilden, der sich \u00fcber die Lage, die Probleme und den Hilfebedarf st\u00e4ndig informiert und schnell geeignete L\u00f6sungen im Sinne unseres Positionspapiers umsetzt und dabei transparent und \u00f6ffentlich agiert.<\/p><p><strong>7. L\u00f6sungsstrategien entwickeln<br \/><\/strong>Auch unkonventionelle und un\u00fcbliche L\u00f6sungsstrategien zum Schutz der Menschen sollen aufgenommen, gepr\u00fcft und bei Eignung vorbehaltlos umgesetzt werden. In der \u201cNacht der Solidarit\u00e4t\u201d Ende Januar 2020 waren mehrere tausend Menschen eingebunden, diese Bereitschaft zum Engagement k\u00f6nnte reaktiviert werden.<\/p><p><strong>8. Problembewu\u00dftsein und Transparenz bei den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe<br \/><\/strong>Von Problemen in einer Einrichtung haben wir erst durch Hilferufe der dort untergebrachten erfahren. Daher fordern wir: Tr\u00e4ger, Einrichtungen und Angebote der Wohnungslosenhilfe d\u00fcrfen Probleme nicht verschweigen, sondern m\u00fcssen regelm\u00e4\u00dfig und transparent \u00fcber die Umsetzung der Corona-Regeln, auftretende Probleme und ben\u00f6tigte Unterst\u00fctzungsbedarfe berichten.<\/p><p><strong>9. Berichterstattung zur Lage der obdach- und wohnungslosen Menschen in Berlin<br \/><\/strong>Wir ben\u00f6tigen eine regelm\u00e4\u00dfige koordinierte und transparente Berichterstattung des Senats und der Bezirke zur Situation wohnungsloser Menschen angesichts der Corona-Pandemie. Das muss von der Politik und der Zivilgesellschaft eingefordert werden.<\/p><p><strong>10. Recht auf Wohnen &#8211; Bezahlbare Wohnungen f\u00fcr alle<br \/><\/strong>Die eigentliche Forderung nach angemessenem und bezahlbarem Wohnungen f\u00fcr alle bleibt davon unber\u00fchrt. Sie muss w\u00e4hrend und nach der Krise umgesetzt werden, denn eine eigene Wohnung ist Menschenrecht und Gesundheitsvorsorge.<br \/>Der B\u00fcrgermeister fordert von den BerlinerInnen: \u201e<a href=\"https:\/\/twitter.com\/regberlin\/status\/1238759230066364417\">Jetzt geht es darum, zusammenzustehen und diese Krise gemeinsam zu bew\u00e4ltigen.<\/a>\u201c<br \/>Wir sagen: Das gilt auch f\u00fcr wohnungslose Menschen! Seien Sie solidarisch!<\/p><p><strong>Autor*innen<br \/><\/strong>Mitgewirkt an diesem Positionspapier haben: Bahar Sanli (B\u00fcndnis Solidarische Stadt), Felicitas Karimi (Willkommen im Westend), Frieder Krau\u00df (Berliner Obdachlosenhilfe), Georg Classen (Fl\u00fcchtlingsrat Berlin), Martin Parlow (AK Wohnungsnot), Stefan Schneider (Selbstvertretung wohnungsloser Menschen)<\/p><p><strong>Kontakt<br \/><\/strong>Stefan Schneider +49 &#8211; 177 &#8211; 784 73 37 stefan.schneider@wohnungslosentreffen.de<br \/>Dirk Dymarski, dirk.dymarski@wohnungslosentreffen.de, +49 &#8211; 178 &#8211; 932 1661 (ausschlie\u00dflich per WhatsApp)<\/p>    <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->        <\/div>\n                        <\/div>\n        <\/div>\n        <\/div>\n<!--\/themify_builder_content-->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nothilfeplan jetzt \u2013 drohende Katastrophen verhindern!<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":523,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1863","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.0","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"featured_image_src":"https:\/\/www.berliner-obdachlosenhilfe.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/photo_2018-01-29_14-05-41.jpg","author_info":{"display_name":"web324","author_link":"https:\/\/www.berliner-obdachlosenhilfe.de\/en\/blog\/author\/web324\/"},"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v25.7 - 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Weitere tausende Menschen sind obdachlos auf der Stra\u00dfe: 1.976 wurden in der sogenannten Nacht der Solidarit\u00e4t am 29.01.2020 erfasst, die tats\u00e4chliche Zahl ist weitaus h\u00f6her, weil viele obdachlose Menschen sich an Orten, an denen nicht gez\u00e4hlt wurde, aufgehalten haben, wie Parks, Friedh\u00f6fe, Dachb\u00f6den usw. oder sich bewu\u00dft der Z\u00e4hlung entzogen haben.<\/p><p>Auf der Stra\u00dfe lebende Menschen sind im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie eine medizinisch hoch gef\u00e4hrdete Bev\u00f6lkerungsgruppe mit eingeschr\u00e4nktem Zugang zum Gesundheitssystem. Versch\u00e4rfend kommt hinzu:<\/p><p>Die Essensversorgung durch Tafeln und Suppenk\u00fcchen ist stark reduziert, Einnahmen durch Flaschensammeln, Betteln oder Zeitungsverkauf sind kaum noch zu erzielen, Hygieneregeln so gut wie gar nicht einzuhalten.<br \/>Weil Einrichtungen geschlossen sind, fehlen Duschgelegenheiten<br \/>der Zugang zu WLAN und Internet, das Aufladen von Smartphones ist kaum noch m\u00f6glich, die Kommunikation wird extrem eingeschr\u00e4nkt.<\/p><p>\u201eStay at home!\u201c ist f\u00fcr auf der Stra\u00dfe lebende Menschen nicht m\u00f6glich.<\/p><p>Eine \u00dcbertragung von Corona-Viren ist durch die besonderen Bedingungen in den Einrichtungen f\u00fcr untergebrachte wohnungslose Menschen kaum einzud\u00e4mmen, Sammelunterk\u00fcnfte sind in dieser Situation eine Katastrophe. Die K\u00e4ltehilfe und Massenunterk\u00fcnfte f\u00fcr Wohnungslose bieten keinen ausreichenden Pandemie-Schutz. Sie sind im Gegenteil sogar Brandbeschleuniger zur rapiden VirusverbreitunMehrbettzimmer, Gemeinschaftsk\u00fcchen, Speises\u00e4le und gemeinsame Sanit\u00e4ranlagen sind in dieser Situation unzumutbar.<\/p><p>Quarant\u00e4ema\u00dfnahmen in zwangsgemeinschaftlichen Massenunterk\u00fcnften , die damit einhergehende Gefahr der weiteren Ausbreitung des Virus unter den Bewohner*innen, und die daraus resultierende, berechtigte Angst sind ein soziales Pulverfa\u00df, in dem massive Traumatisierungen, Gewalttaten und \u00dcbergriffe drohen.<\/p><p>Auf der anderen Seite gibt es viele spontane, kreative unkonventionelle Ans\u00e4tze, obdachlose Menschen zu unterst\u00fctzen. Das sollte unterst\u00fctzt aber auch kritisch begleitet werden. Was n\u00fctzt der beste Gabenzaun, wenn es keine Unterbringung im Einzelzimmer gibt?<\/p><p>Seit unserer Pressemitteilung <a href=\"https:\/\/fluechtlingsrat-berlin.de\/presseerklaerung\/07-04-2020-menschenleben-schuetzen-massenunterkuenfte-aufloesen-wohnungen-statt-lager\/\">Menschenleben sch\u00fctzen! Massenunterk\u00fcnfte aufl\u00f6sen! Wohnungen statt Lager!<\/a> vom 07.04.2020 ist in Berlin wenig passiert. Wir haben den Eindruck, dass viele Menschen, die in Politik, Beh\u00f6rden und Verb\u00e4nden Verantwortung tragen, in diesen Krisenzeiten einfach abgetaucht sind und nicht in dem Ma\u00dfe, wie wir es erwarten, erreichbar sind und Initiative ergreifen.<\/p><p>Politik, Verwaltung, Tr\u00e4ger der Wohnungslosenhilfe und die Zivilgesellschaft sind aufgefordert, jetzt zu handeln!<\/p><p>Wir k\u00f6nnen nicht warten, bis die Zahl der Ansteckungen in den Massenunterk\u00fcnften und auf der Stra\u00dfe explodiert und wohnungslose Menschen aufgrund ihrer besonderen Lebenslage mit dem Tode bedroht sind und somit der bisherige Erfolg der Pandemie \u2013 Bek\u00e4mpfung in Frage gestellt wird.<\/p><p><strong>Was jetzt zu tun ist<\/strong><\/p><p>Wir m\u00f6chten konkret erl\u00e4utern, was in Berlin jetzt geschehen muss, um obdachlose und wohnungslose Menschen umgehend zu sch\u00fctzen.<\/p><p><strong>1. Das Infektionsschutzgesetz gilt auch f\u00fcr obdachlose und wohnungslose Menschen!<br \/><\/strong>Deshalb sind alle Menschen, die ohne Obdach auf der Stra\u00dfe oder in Sammelunterk\u00fcnften mit Gemeinschaftsb\u00e4dern und\/oder \u2013 k\u00fcchen leben, krisenbedingt in Wohnungen, Ferienwohnungen oder Businesspartments unterzubringen.<br \/>Falls diese nicht ausreichen, sind die Menschen in Hotels mit Appartementstruktur (individuelle Bad- und K\u00fcchenausstattung in Aparthotels) oder Hotels mit Zimmern und eigenem Bad unterzubringen. Wenn eine Hotelunterbringung umgesetzt wird, so muss eine niedrigen Bewohner*innendichte pro Hotel gew\u00e4hrleistet werden.<br \/>Vorrangig m\u00fcssen besonders vulnerable Personengruppen und Familien in Wohnungen untergebracht werden. Eine umfassende Versorgung ist sicherzustellen, dazu geh\u00f6rt im Bedarfsfall auch eine betreute Drogenabgabe.<br \/>Alle Varianten m\u00fcssen menschenw\u00fcrdige und angemessene Qualit\u00e4tsstandards mit Blick auf Ausstattung, Bausubstanz, Hygienestandards u.a. erf\u00fcllen und unter der Pr\u00e4misse \u201eKeine Profite mit der Not der Menschen\u201c angemietet werden.<\/p><p><strong>2. Einzel-Quarant\u00e4ne gew\u00e4hren<br \/><\/strong>Wenn Quarant\u00e4nema\u00dfnahmen n\u00f6tig werden, dann sind diese als individuelle Einzelquarant\u00e4nen f\u00fcr Erkrankte und ihre identifizierten Kontaktpersonen in abgeschlossenen Wohneinheiten und Appartements zu realisieren, ggf. auch durch Verlegung in eine geeignete Unterkunft.<br \/>Zwangs-Quarant\u00e4nen f\u00fcr komplette Unterk\u00fcnfte sind unbedingt zu vermeiden, weil sie die Ausbreitung des Virus noch bef\u00f6rdern k\u00f6nnen, statt sie zu begrenzen. Es ist nach \u00a7 30 IFSG auch rechtlich unzul\u00e4ssig, Kranke, Ansteckungsverd\u00e4chtigte und Gesunde gemeinsam unter Quarant\u00e4ne zu stellen, vgl. <a href=\"https:\/\/fluechtlingsrat-berlin.de\/vgbln_quarantaene_2013\">VG Berlin 17.06.2013 VG 14 L 282.13<\/a>. Siehe auch Fl\u00fcchtlingsrat Berlin, \u201e<a href=\"https:\/\/fluechtlingsrat-berlin.de\/fr_positionen_quarantaene\">Infektions\u00adschutz und Quaranta\u0308nema\u00dfnahmen fu\u0308r Gefl\u00fcchtete in Sammelunterku\u0308nften menschenrechtskonform umsetzen<\/a>\u201c<\/p><p><strong>3. K\u00e4ltehilfe \u00fcbergangsweise fortf\u00fchren<br \/><\/strong>K\u00e4ltehilfe ist nicht f\u00fcr Zeiten der Pandemie geeignet. Die K\u00e4ltehilfe ist als Notl\u00f6sung so lange weiter zu f\u00fchren und zu finanzieren, bis die Menschen in Wohnungen oder zumindest Hotels untergebracht werden k\u00f6nnen.<br \/>Dabei gilt: Die Einrichtungen m\u00fcssen tags\u00fcber offen stehen und den Corona-bedingten Verhaltensregeln angepasst werden. Besondere Teilgruppen (Frauen, Menschen mit Hund, Familien, Alkohol- und Drogenabh\u00e4ngige usw.) sind dabei zu ber\u00fccksichtigen.<br \/>Mitarbeiter*innen der K\u00e4ltehilfe sollen bei der Umsetzung der Vorschl\u00e4ge eingebunden und auch bei ver\u00e4nderten Angeboten weiter besch\u00e4ftigt werden.<\/p><p><strong>4. Schutz von obdachlosen Menschen UND MitarbeiterInnen sicherstellen<br \/><\/strong>Auch Haupt- und ehrenamtlich Arbeitende in den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe m\u00fcssen gesch\u00fctzt werden. Das betrifft die Ausr\u00fcstung mit Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung, die Aufkl\u00e4rung \u00fcber Gefahren sowie der Schutz vor \u00dcberlastung. Eine angemessene Bezahlung ist zu gew\u00e4hrleisten.<\/p><p><strong>5. Rahmenbedingungen schaffen<br \/><\/strong>Der Finanzsenator muss die Finanzierung dieser Ma\u00dfnahmen sicherstellen (Rettungsschirm f\u00fcr wohnungslose Menschen), der Justizsenator die rechtlichen Voraussetzungen daf\u00fcr schaffen und die Sozialsenatorin zusammen mit den Stadtr\u00e4t*innen der Bezirke und Tr\u00e4gern der Wohnungslosenhilfe die inhaltliche Koordinierung \u00fcbernehmen und die erforderliche personelle Ausstattung bereitstellen.<br \/>Wir sind uns der unterschiedlichen Zust\u00e4ndigkeiten f\u00fcr die verschiedenen Betroffenengruppen bewusst. Allerdings ist die Senatsverwaltung f\u00fcr Arbeit, Soziales und Integration f\u00fcr die Lenkung und F\u00fchrung zust\u00e4ndig \u2013 insbesondere in der Krise. Die Bezirks\u00e4mter mit ihren Verwaltungen sind in einer ausf\u00fchrenden Position. Die Verantwortung, ein Soforthilfeprogramm zu entwickeln und umzusetzen, darf nicht auf die Bezirke verlagert werden. Hier muss die von SenIAS seit zwei Jahren vorbereitete \u201egesamtst\u00e4dtische Steuerung\u201c unverz\u00fcglich zum Zuge kommen.<\/p><p><strong>6. Krisenstab einrichten zur Umsetzung von Hilfema\u00dfnahmen<br \/><\/strong>Senat, Bezirke, Tr\u00e4ger der Wohnungslosenhilfe sollen sofort zusammen mit Wissenschaftler*innen, ehrenamtlichen Hilfeinitiativen und Gruppen der Selbstvertretung einen handlungsf\u00e4higen st\u00e4ndigen Krisenstab bilden, der sich \u00fcber die Lage, die Probleme und den Hilfebedarf st\u00e4ndig informiert und schnell geeignete L\u00f6sungen im Sinne unseres Positionspapiers umsetzt und dabei transparent und \u00f6ffentlich agiert.<\/p><p><strong>7. L\u00f6sungsstrategien entwickeln<br \/><\/strong>Auch unkonventionelle und un\u00fcbliche L\u00f6sungsstrategien zum Schutz der Menschen sollen aufgenommen, gepr\u00fcft und bei Eignung vorbehaltlos umgesetzt werden. In der \u201cNacht der Solidarit\u00e4t\u201d Ende Januar 2020 waren mehrere tausend Menschen eingebunden, diese Bereitschaft zum Engagement k\u00f6nnte reaktiviert werden.<\/p><p><strong>8. Problembewu\u00dftsein und Transparenz bei den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe<br \/><\/strong>Von Problemen in einer Einrichtung haben wir erst durch Hilferufe der dort untergebrachten erfahren. Daher fordern wir: Tr\u00e4ger, Einrichtungen und Angebote der Wohnungslosenhilfe d\u00fcrfen Probleme nicht verschweigen, sondern m\u00fcssen regelm\u00e4\u00dfig und transparent \u00fcber die Umsetzung der Corona-Regeln, auftretende Probleme und ben\u00f6tigte Unterst\u00fctzungsbedarfe berichten.<\/p><p><strong>9. Berichterstattung zur Lage der obdach- und wohnungslosen Menschen in Berlin<br \/><\/strong>Wir ben\u00f6tigen eine regelm\u00e4\u00dfige koordinierte und transparente Berichterstattung des Senats und der Bezirke zur Situation wohnungsloser Menschen angesichts der Corona-Pandemie. Das muss von der Politik und der Zivilgesellschaft eingefordert werden.<\/p><p><strong>10. Recht auf Wohnen - Bezahlbare Wohnungen f\u00fcr alle<br \/><\/strong>Die eigentliche Forderung nach angemessenem und bezahlbarem Wohnungen f\u00fcr alle bleibt davon unber\u00fchrt. Sie muss w\u00e4hrend und nach der Krise umgesetzt werden, denn eine eigene Wohnung ist Menschenrecht und Gesundheitsvorsorge.<br \/>Der B\u00fcrgermeister fordert von den BerlinerInnen: \u201e<a href=\"https:\/\/twitter.com\/regberlin\/status\/1238759230066364417\">Jetzt geht es darum, zusammenzustehen und diese Krise gemeinsam zu bew\u00e4ltigen.<\/a>\u201c<br \/>Wir sagen: Das gilt auch f\u00fcr wohnungslose Menschen! Seien Sie solidarisch!<\/p><p><strong>Autor*innen<br \/><\/strong>Mitgewirkt an diesem Positionspapier haben: Bahar Sanli (B\u00fcndnis Solidarische Stadt), Felicitas Karimi (Willkommen im Westend), Frieder Krau\u00df (Berliner Obdachlosenhilfe), Georg Classen (Fl\u00fcchtlingsrat Berlin), Martin Parlow (AK Wohnungsnot), Stefan Schneider (Selbstvertretung wohnungsloser Menschen)<\/p><p><strong>Kontakt<br \/><\/strong>Stefan Schneider +49 - 177 - 784 73 37 stefan.schneider@wohnungslosentreffen.de<br \/>Dirk Dymarski, dirk.dymarski@wohnungslosentreffen.de, +49 - 178 - 932 1661 (ausschlie\u00dflich per WhatsApp)<\/p>","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.berliner-obdachlosenhilfe.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1863"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.berliner-obdachlosenhilfe.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.berliner-obdachlosenhilfe.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-obdachlosenhilfe.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-obdachlosenhilfe.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1863"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.berliner-obdachlosenhilfe.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1863\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1866,"href":"https:\/\/www.berliner-obdachlosenhilfe.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1863\/revisions\/1866"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-obdachlosenhilfe.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/523"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.berliner-obdachlosenhilfe.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1863"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-obdachlosenhilfe.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1863"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berliner-obdachlosenhilfe.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1863"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}